Bei der Fahrlässigkeit ist zuerst das Vorliegen des Erfolges durch ein vom Willen beherrschtes oder beherrschbares Verhalten festzustellen. Anschließend ist das Vorliegen der Sorgfaltspflichtverletzung zu prüfen, wobei die Vorhersehbarkeit des Erfolgs eine große Rolle spielt.
Nach allgemeiner Auffassung in der Türkei ist die Vorhersehbarkeit bei der Feststellung der Sorgfaltspflichtwidrigkeit von erheblicher Bedeutung.[1] Und die Vorhersehbarkeit wird als die Berechenbarkeit des Erfolges vom Täter bei der Begehung der Tat nach den jeweils vorhandenen Umständen definiert.[2]
Das sorgfältige Verhalten bzw. die Sorgfaltspflicht ist in erster Linie aus den rechtlichen Regelungen, Rechtsnormen, bestimmten Sondernormen sowie allgemeine Erfahrungssätze oder Verkehrsnormen (oder Verkehrsregel) herzuleiten.
Die Vorhersehbarkeit des Erfolgs stellt ein wesentlicher Bestandteil der Vorsichts- und Sorgfaltspflichtwidrigkeit dar, der nicht voneinander getrennt bewertet werden können.[3] Denn die Vorhersehbarkeit des Erfolges stelle eine selbstverständliche Folge der Vorsichts- und Sorgfaltspflicht dar und bedeute begrifflich die mögliche Verwirklichung der Vorsichts- und Sorgfaltspflicht. Also die Vorhersehbarkeit des Erfolgs und der Sorgfaltspflichtverletzung sind somit innerlich miteinander verknüpft.
[1] In der Rechsprechung heißt es: „… für die Fahrlässigkeit ist die Vorhersehbarkeit des Erfolges erforderlich.“, vgl. Yargıtay CGK (BGH Strafsenat), 28.12.1970, 1970/4-361, 1979/432, in: Öztürk, a.a.O., S. 12; vgl. ferner Yargıtay CGK, 25.03.1997, 2-47/66, in: Kaymaz/Gökcan, TAÖ, S. 92; Yargıtay CGK, 24.04.1995, 108/134; Yargıtay CGK, 13.12.1993, 221/1317; in: Kaymaz/Gökcan, TAÖ, S. 96; Yargıtay, CGK, 11.05.2004, 2-97/115, in: Kaymaz/Gökçen, TAÖ, S. 100; Yargıtay CGK, 12.11.2002, 1-235/387, in: Kaymaz/Gökçan, TAÖ, S. 167; Yargıtay CGK, 01.02.2005, 9-213/3, in: Meran, TCK, S. 127, 128.
[2] Yargıtay CGK, 28.12.1970, 1970/4-361, 1979/432, in: Öztürk, a.a.O., S. 12; vgl. ferner Yargıtay, CGK, 11.05.2004, 2-97/115, in: Kaymaz/Gökçen, TAÖ, S. 100.
[3] Yargıtay CGK, 28.12.1970, 1970/4-361, 1979/432, in: Öztürk, a.a.O., S. 12: „Es wurde nämlich im tStGB die Unvorsichtigkeit und Unvorsorglichkeit als die Erscheinungsformen der fahrlässigen Handlung normiert (in Art. 455, 459 tStGB a.F.), die die wesentliche Bestandteil der Vorhersehbarkeit darstellt.“; ferner auch Yargıtay 2. CD, 04.10.1990, 9338, 9860; Yargıtay 2. CD, 25.09.1990, 8971, 9489; Yargıtay 9. CD, 05.05.1983, 1304, 1364; Yargıtay 1.CD, 28.02.1946, 771, 251; Yargıtay 9. CD, 11.04.1978, 1601, 1575; Yargıtay, 2. CD, 06.03, 1990, 1771, 2314, in: Keskin, a.a.O., S. 56.
